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29.07.2010 - Lokalnachrichten

Sauerbrut wird nun radikal bekämpft

Im Kampf gegen die Sauerbrut führt der Bienenzüchterverein Werdenberg flächendeckend eine Sanierungsaktion durch. Eine solche Sanierung findet schweizweit zum ersten Mal in diesem Ausmass statt. Der Bund äussert sich dazu aber skeptisch.

Von Christopher Eggenberger
Salez. – Die anzeigepflichtige Bienenkrankheit Sauerbrut forderte in der Vergangenheit auch bei Werdenberger Bienen ihren Tribut: Während der Bestand an Bienenvölkern jährlich kleiner wurde, konnte die Verbreitung der Sauerbrut mit den bisherigen Massnahmen nicht wirksam eingedämmt werden. «Allein in diesem Jahr mussten bereits 80 Völker vernichtet werden», erklärt Balser Fried, Präsident des Bienenzüchtervereins Werdenberg.
Die Gesetzeslage schreibt vor, dass der Ausbruch der Krankheit gemeldet und das betroffene Bienenvolk anschliessend vernichtet werden muss. Im Umkreis von einem Kilometer wird eine Sperrzone verhängt. Befinden sich darin weitere Bienenvölker, müssen diese regelmässig kontrolliert werden. «Dies bedeutet jedoch, dass die Krankheit erst ausbrechen muss, bevor Massnahmen ergriffen werden», so Fried.

Knapp die Hälfte ist betroffen
Mit Unterstützung des kantonalen Veterinäramtes wird nun gleichzeitig und flächendeckend eine Sanierungsaktion durchgeführt. Sie soll den Krankheitserreger bereits vor dem Ausbruch bekämpfen. Da das Erreger-Bakterium im Verdauungstrakt der Bienen unentdeckt überleben kann, wurden in einer ersten Phase sämtliche Bienenvölker darauf untersucht. In rund der Hälfte der Völker konnten Sauerbrut-Bakterien nachgewiesen werden.
Diese augenscheinlich gesunden Bienenvölker sowie jene, die in diesem Jahr bereits befallen waren, werden nun mit dem sogenannten geschlossenen Kunstschwarm-Verfahren behandelt. Alle Bienen werden dafür von ihrer Brut und den Waben getrennt und vorübergehend in einem «Bienenkarton» in Kellerhaft genommen. Dort sollen die Bienen während drei Tagen hungern und sich so vom Erreger befreien. Wegen seiner antibakteriellen Wirkung erhalten die Bienen mit Knoblauch versetztes Zuckerwasser. «Bereits in alten Büchern wird diese Methode beschrieben», erklärt Fried. Nach der Behandlung wird das Bienenvolk wieder im desinfizierten Bienenstand untergebracht, wo es von neuem mit dem Wabenbau beginnen soll. Im Frühling 2011 sollen erneute Proben Aufschluss über den Erfolg der Behandlung geben.

Der Bund gibt nur gelbes Licht
Gemäss dem Bundesamt für Veterinärwesen (BVET) sei jedoch Skepsis angebracht: «Aufgrund der bisherigen Forschungsresultate muss davon ausgegangen werden, dass eine solche Sanierung zum jetzigen Zeitpunkt nicht zielführend ist», schreibt es in einem Brief an Fried. Das geschlossene Kunstschwarm-Verfahren sei noch zuwenig erforscht, heisst es. Das BVET gesteht jedoch ein, dass der Erfolg einer solchen Sanierung durchaus realistisch ist.
Bei den Werdenberger Bienenzüchtern ist man davon überzeugt: «Versuche einzelner Imker haben gezeigt, dass diese Methode vielversprechend ist.
Ihre Bienen wurden nach der Behandlung negativ auf Sauerbrut getestet. Ich denke, dass wir sehr gute Chancen haben, damit die Sauerbrut einzudämmen», so Balser Fried.

Bienenrasse mit mehr Hygienesinn
Der Verein führt mehrere Argumente ins Feld, die für ein solches Pilotprojekt im Werdenberg sprechen. Durch die geografische Abgrenzung der Region könne kein Austausch mit infizierten auswärtigen Bienen erfolgen. Lediglich die Passage Richtung Wildhaus müsse durch eine grössere bienenfreie Zone abgeschirmt werden. Ausserdem sei das Werdenberg eines der seltenen, grossflächigen Gebiete der alten einheimischen Bienenrasse Apis mellifera mellifera, die einst in ganz West- und Nordeuropa verbreitet war. Der Bienenzüchterverein Werdenberg setzt sich in seinen Zuchtbemühungen dafür ein, dass Rassen mit überdurchschnittlichem Hygienetrieb den Vorzug erhalten.
«Die Hygieneeigenschaften einer Bienenrasse sind erwiesenermassen wichtig für den Selbstschutz gegenüber Infektionskrankheiten. Wenn die Bienen schon die ersten kranken Larven entfernen, kann die Krankheit manchmal im Anfangsstadium aufgehalten werden», erklärt Fried.
Die Erhaltung der einheimischen Bienen sei zudem ein wertvoller Beitrag im UNO-Jahr der Biodiversität. Das kantonale Veterinäramt unter der Leitung von Kantonstierarzt Thomas Giger unterstützt das Projekt fachtechnisch.
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