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29.07.2010 - Lokalnachrichten
Im Rathaus durch die Region
Markus Inhelder arbeitete bereits in drei Gemeindeverwaltungen: Im Werdenberg, im Rheintal und im Sarganserland. Der gebürtige Sennwalder empfand den Hirschensprung dabei eher als Mentalitätsgrenze als den Schollberg.
Von Christine Odermatt Sennwald/Bad Ragaz. – Sein Berufsleben startete Markus Inhelder mit einer KV-Lehre in der Gemeindeverwaltung Sennwald. Danach wechselte der gebürtige Sennwalder als stellvertretender Leiter der Finanzabteilung ins Altstätter Rathaus und verlegte auch seinen Wohnort in die Rheintaler Stadt. Was als Aufenthalt von eher kürzerer Dauer geplant war, wurde zu einem wichtigen Lebensabschnitt von zehn Jahren. «Die Zeit in Altstätten betrachte ich als meine Lehr- und Wanderjahre. Gerade im Alter von 20 bis 30 Jahren schliesst man häufig wichtige Kontakte und Freundschaften. Hier lernte ich auch meine Frau Karin kennen», erzählt Inhelder.
Am Schollberg ist Feierabend Zusammen mit Karin kehrte Markus Inhelder vor dreieinhalb Jahren nach Sennwald zurück. Zuvor hatte er drei Jahre in St. Gallen für eine Informatikfirma gearbeitet und sich dann für die Stelle des Leiters der Finanzdienste der Gemeinde Bad Ragaz beworben, welche er 2004 antreten konnte. Karin wechselte vom Spital Altstätten ins Spital Grabs. «Anfangs pendelte ich von Altstätten nach Bad Ragaz und auch heute verbringe ich täglich eine Stunde im Auto», so Inhelder. «Doch ich nehme den Weg nach Bad Ragaz gerne in Kauf. Ich fühle mich in der Gemeinde und auch in der Gemeindeverwaltung sehr wohl, wir haben ein gutes Arbeitsklima. Bad Ragaz bietet für seine Grösse von 5200 Einwohnern unglaublich viel, um nur die Therme, das Grand Resort, das Quellrock-Open-Air, die hochstehende Gastronomie und die nahen Skigebiete zu nennen.» Auch eigne sich der Anfahrtsweg gut, um morgens richtig wach zu werden und um abends abzuschalten. «Wenn ich am Schollberg vorbeifahre, weiss ich: Jetzt ist endgültig Feierabend», lacht Inhelder. Sennwald sei zudem ein idealer Wohnort. Das Dorf sei schön gelegen, ruhig und doch erreiche man in kurzer Zeit städtische Zentren und wichtige Verkehrswege. «Ausserdem wohnen hier meine Eltern und mein Bruder mit seiner Familie. Unsere Kinder treffen sich zum Spielen», erzählt der Familienvater.
«Grenzlinie» Hirschensprung Als Leiter der Finanzdienste führt Markus Inhelder das Rechnungswesen der Gemeinde Bad Ragaz, ist für die Finanzplanung, die Budgetierung und für die Finanzen der Gemeindebetriebe verantwortlich. Wäre es denn als Gemeindeangestellter nicht von Vorteil, in der Gemeinde zu wohnen, für die man arbeitet? «Ich sehe Vor- und Nachteile», wägt Inhelder ab. Klar sei man so nicht direkt ins Dorfleben integriert und kenne die Einwohner weniger gut. «Das kann aber auch ein Vorteil sein. Ich bin ganz ohne Vorurteile hierher gekommen, bewahre mir eine gewisse Distanz und laufe nicht Gefahr, private und berufliche Interessen zu vermischen.» Als Werdenberger in einer Sarganserländer Gemeindeverwaltung könne er wenig Mentalitätsunterschiede zwischen den beiden Regionen feststellen, meint Markus Inhelder. «Den Hirschensprung empfand ich in dieser Beziehung eher als Grenze. Die Altstätter schienen mir direkter und auch rustikaler, was nicht negativ gemeint ist. Man findet sehr schnell Anschluss. Werdenberger und Sarganserländer sind anfänglich zurückhaltender.»
Mehr Selbstbewusstsein gefordert Diese Zurückhaltung zeige sich auch in einer zu grossen Bescheidenheit der eigenen Region gegenüber. «Dabei haben Sarganserland und Werdenberg viel zu bieten – mehrere Skigebiete, zwei schöne Schlösser, den Walensee, viele kulturelle Institutionen, Rhein und Berge als Erholungsgebiete. Unser Selbstbewusstsein könnte grösser sein», so Inhelder. Die interregionale Zusammenarbeit sowie diejenige zwischen den einzelnen Gemeinden begrüsse er, auch die Finanzverwalter der Werdenberger und Sarganserländer Gemeinden seien in einem überregionalen Gremium organisiert. Sie dürfe jedoch nicht zu unüberlegter «Fusionitis» ausarten. «Die Gemeinden sollen sich eine gewisse Eigenständigkeit bewahren dürfen, dies auch und vor allem gegenüber dem Kanton.» So wird Markus Inhelder wohl auch in Zukunft auf seinem Arbeitsweg mehrere Gemeindegrenzen überqueren – und die richtige Mischung zwischen Zusammenarbeit und Eigenständigkeit mitgestalten.~
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