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30.07.2010 - Aktuell
Zahlen-Dschungel um FC St. Gallen
Rund um den FC St. Gallen gibt es drei Aktiengesellschaften. Die entscheidende gibt keine Zahlen bekannt. Wird die fehlende Transparenz zum
Problem?
Von Andreas Kneubühler St. Gallen. – Im April klagte FCSG-Präsident Michael Hüppi in einem Interview mit der «WoZ», der Klub könne Sicherheitskosten in der Höhe von rund 500 000 Franken nicht mehr bezahlen. Streng genommen war diese Aussage falsch. Denn der FC St. Gallen muss keine Sicherheitskosten zahlen, es ist die AFG Arena Betriebs AG, die dafür zuständig ist. Das Beispiel ist bezeichnend für das Verwirrspiel mit den verschiedenen Gesellschaften rund um den FC St. Gallen. Es zeigt aber auch, dass die Aufteilung zwischen Fussball- und Stadionbetrieb nicht immer gilt: Wenn es finanziell brennt, wird über den populären FC St. Gallen Druck gemacht. In diesem Fall sollte der St. Galler Stadtrat auf einen Teil der vertraglich abgemachten Sicherheitskosten verzichten.
Bisher 60 Prozent für die BAG Die Konstruktion mit drei Aktiengesellschaften spielt für die Öffentlichkeit solange keine Rolle, als die Rechnungen bezahlt werden. Doch das ist nicht der Fall. Auch lange nach Saisonende sei ein erheblicher Teil der Sicherheitskosten nicht beglichen, bestätigt der St. Galler Stadtrat Nino Cozzio. Nach den Sommerferien will er in einem Gesetz festlegen, wie die Kostenverteilung künftig aussehen wird. Im bisherigen Vertrag zwischen Stadt und Betriebs AG steht, dass der Betriebs AG 60 Prozent der Sicherheitskosten in Rechnung gestellt werden. Das entspricht der unteren Grenze, die das Bundesgericht in einem wegweisenden Urteil festgelegt hat. Was passiert mit den ausstehenden Beträgen? Da die offenen Rechnungen höher als 150 000 Franken liegen, müsste das Stadtparlament über einen Erlass entscheiden, schildert Cozzio die Ausgangslage. Spätestens dort dürfte die Frage auf den Tisch kommen, wieso FCSG AG und Betriebs AG, die laut Hüppi einen konsolidierten Umsatz von rund 20 Mio. Franken ausweisen, einige hunderttausend Franken vertraglich abgemachter Kosten nicht zahlen können oder wollen. Und wer in den verschiedenen Aktiengesellschaften dafür verantwortlich ist.
Ein verwirrendes Geflecht Um das Geflecht zu entwirren, geht man am besten chronologisch vor. Da gibt es die Stadion St. Gallen AG, die das ihr geschenkte Bauland verkaufte und mit dem Erlös den Bau der Arena zahlte. Es brauchte noch Bankkredite und die Äufnung von Aktienkapital, damit die Finanzierung aufging. Die Stadion AG vermietet der Betriebs AG die Arena für jährlich 1,2 Mio. Franken und zahlt daraus Amortisationen und Zinskosten oder tätigt Rückstellungen. Die AFG Arena Betriebs AG (BAG) führt sämtliche Veranstaltungen durch und erhält alle Einnahmen: Aus dem Ticketverkauf, der Vermietung der Logen, der Bandenwerbung, aus den Veranstaltungen in der Arena und aus dem Verkauf der Namensrechte an die Arbonia Forster Holding, die jährlich eine 1 Mio. Franken bringen. Dafür übernimmt die BAG auch sämtliche Ausgaben, zahlt Miete an die Stadion AG und alimentiert das Budget des FCSG mit fixen 5,4 Mio. Franken pro Saison. Basis für diese Ausschüttung ist laut Hüppi ein Schnitt von 14 000 bis 15 000 Zuschauern pro Spiel. Wenig bekannt ist, dass die BAG jährlich weitere 1,2 Mio. Franken an Zinsen und Amortisationen berappen muss. Der Grund: Die Stadion AG finanzierte nur die Stadionhülle, den Innenausbau musste die BAG übernehmen. Weil sie damals noch kein Kapital hatte, waren die Bankkredite teuer. Dazu kommt, dass weiterhin nicht alle Einnahmequellen ausgeschöpft sind: Es gebe noch Potenzial beim Verkauf von Logen und Business-Seats, räumt Bill Mistura, Geschäftsführer der Betriebs AG ein.
Die BAG – eine Blackbox? Das Budget von rund 8 Mio. Franken des FC setzt sich aus dem Beitrag der Betriebs AG, den Einnahmen aus der Trikotwerbung, den Beiträgen von Mäzenen und einem allfälligen Transfererlös zusammen. Mit eingerechnet ist ein mutmassliches Defizit, das aus dem Aktienkapital gedeckt würde. Offensichtlich ist, dass in diesem Konstrukt die BAG die entscheidende Schaltstelle ist. Doch während FCSG und Stadion AG Generalversammlungen organisieren und detaillierte Rechnungen veröffentlichen, funktioniert die BAG als Blackbox und gibt keine Zahlen bekannt. «Die Betriebs AG als nicht-öffentliches Unternehmen verzichtet auf die öffentliche Bekanntgabe des Betriebsergebnisses», bestätigt Bill Mistura. Was sagt er zur Kritik an der fehlenden Transparenz des Konstrukts? Dieser Vorwurf sei unberechtigt, so Mistura in einer schriftlichen Stellungnahme: Die FCSG AG sowie die Stadion AG informierten an ihren jeweiligen Generalversammlungen. Die Betriebs AG ihrerseits sei verpflichtet, die FCSG AG und die Stadion AG zu informieren. Zudem gebe es in den Verwaltungsräten der drei Gesellschaften eine gegenseitige Vertretung. Beispielsweise seien der Finanzchef der FC St. Gallen AG und der VR-Präsident der Stadion AG im Verwaltungsrat der Betriebs AG vertreten.
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