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31.07.2010- Aktuell

Die gegensätzlichen Ansprüche unter einen Hut bringen

Der Waldentwicklungsplan (WEP) Werdenberg Nord stellt die strategischen Weichen für die Zukunft des Waldes in Gams und Sennwald. Strukturreichtum, die Schutzwaldfunktion sowie die Wildproblematik nennt Revierförster Erwin Rebmann als wichtige Themen.

Von Hanspeter Thurnherr
Gams/Sennwald. – Der inklusive Pläne und Tabellen rund 120 Seiten umfassende Entwurf des WEP liegt ab 2. August öffentlich auf (siehe Kasten). Die öffentliche Mitwirkung spielt bei der Waldentwicklungsplanung eine wichtige Rolle, etwa bei der Bereitstellung von Grundlagen oder um öffentliche Bedürfnisse und Anliegen einzubringen. Im Rahmen des WEP werden Interessenkonflikte offengelegt und wenn möglich mit den Betroffenen direkt gelöst. «Der WEP bietet so eine Gelegenheit, mit den verschiedensten am Wald interessierten Organisationen in Kontakt zu kommen», verdeutlicht Kreisförster Erwin Rebmann auf Anfrage.

Strategisches Planungsinstrument
Der WEP versucht also, die vielfältigen Ansprüche an den Wald aufzunehmen, gegeneinander abzuwägen und nach Möglichkeit «unter einen planerischen Hut» zu bringen. Als strategisches Planungsinstrument legt er die Ziele der Waldentwicklung sowie die Bewirtschaftungsgrundsätze fest, gewichtet die Waldfunktionen, stellt die Interessen der Öffentlichkeit am Wald sicher und die Koordination mit der Raumplanung und weiteren raumwirksamen Konzepten sicher.
Der WEP ist für alle Behörden verbindlich, die im Wald raumwirksame Aufgaben erfüllen. Das heisst, sie müssen die Vorgaben des WEP berücksichtigen. Für den Eigentümer ergeben sich aus dem WEP keine direkten Verpflichtungen. Erst im Rahmen der Umsetzung, etwa von forstlichen Projekten oder Bewirtschaftungsverträgen, können konkrete Massnahmen ausgehandelt werden.

Bisher noch keine Waldreservate
«Das relativ kleine Gebiet Werdenberg Nord zeichnet sich durch seinen Strukturreichtum und eine sehr grosse Artenvielfalt aus – vom Biber bis zum Steinbock», erzählt Erwin Rebmann. Trotzdem gibt es in diesem Gebiet noch keine formell gesicherten Waldreservate, einige seltene Waldstandorte sind jedoch im Konzept Waldreservate St. Gallen als naturschützerisch wertvoll ausgeschieden. 50 Prozent davon sollen in der laufenden WEP-Periode umgesetzt und so langfristig gesichert werden. In eine ähnlich Richtung zielt das Waldrandkonzept und die Förderung von Nebenobstarten.

Wildtierkorridore als Lösungsansatz
Im Gebiet Werdenberg Nord übernehmen die Wälder eine wichtige Schutzfunktion. «Das Gebiet ist geologisch sehr unterschiedlich. In Gams rutscht fast die Ebene noch weg (Flysch) und in Sennwald wird es zum Teil überhängend. Entsprechend vielseitig ist die Schutzaufgabe des Waldes und sind die nötigen Pflegearbeiten», erläutet Erwin Rebmann. Mit menschlicher Unterstützung sind deshalb sogar noch neue Schutzwälder am Entstehen.
Vor allem in Gams ist das Thema
Wild ein Dauerbrenner sowohl bei Waldeigentümern wie Jägern. «Meines Erachtens müsste den Wildtierkorridoren künftig wieder vermehrt Beachtung geschenkt werden», verweist Rebmann auf einen im WEP dargestellten Lösungsansatz. «Wenn ein Teil des Wildes im Winter in den Rheinauen wieder einstehen könnte, wäre die Last für den Wald im Winter besser verteilt. Keine leichte, aber lösbare Aufgabe», schliesst der Kreisförster.
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