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09.03.2010- Aktuell

Kampf um Oerlikon mit harten Bandagen

Bis Ende Monat soll Klarheit über die Zukunft von Oerlikon herrschen. Hinter den Kulissen werden sämtliche Szenarien in Betracht gezogen. Eine Machtverschiebung scheint genauso möglich wie der Konkurs.

Von Armando Bianco
Pfäffikon. – Es ist ein Machtpoker, den sich derzeit die Bankenwelt und die Oerlikon-Grossaktionärin Renova unter Viktor Vekselberg hinter den Kulissen liefern. Dabei steht nichts Geringeres als die Zukunft des Industriekonzerns auf dem Spiel.
Von Forderung abgerückt
Die Ausgangslage ist bekannt: Bis Ende März muss OC Oerlikon 600 Mio. Franken als erste Tranche der ausstehenden Bankkredite von 2,3 Mia. begleichen. Dieses Geld hat die Firma aber nicht. Wie die «NZZ am Sonntag» schrieb, verfügt OC Oerlikon nur über rund 300 Mio. Franken flüssige Mittel. Deshalb verlangt Renova Schuldenerlass. Viktor Vekselberg verlangt von den Banken, dass diese auf 250 Mio. Franken verzichten. Von seiner früheren Forderung von 380 Mio. Franken Schuldenerlass ist der Russe mittlerweile offenbar abgekommen.
Renova will Macht behalten
Dass die Forderung nach einem Schuldenerlass nicht einfach durchzusetzen ist, zeigt sich schon allein daran, dass sich der Kredit auf 24 (!) Banken im In- und Ausland verteilt. Und diese nehmen ganz unterschiedliche Positionen ein, wie die Wirtschaftszeitung «Finanz und Wirtschaft» letzte Woche berichtete. Einige Finanzinstitute wollen auf ihr Geld nicht verzichten und stattdessen eine Umwandlung von Schulden in Aktien und eine Aktienkapitalerhöhung. Das wiederum will Grossaktionärin Renova verhindern, da sie ihre Mehrheit gefährdet sieht. Ein Stück weit ist das nachvollziehbar, hat doch Viktor Vekselberg Unsummen in den Konzern gepumpt. Mit dieser Taktik riskiert er aber den Konkurs des Unternehmens, sollten die Banken nicht auf ihn einsteigen. Allerdings würde das auch den Banken schaden.
Hedge Funds im Spiel
Andere Banken hingegen haben Teile ihrer ausstehenden Guthaben an auf notleidende Kredite spezialisierte Investoren oder Hedge Funds verkauft. Die Bank erhält von diesen umgehend ihr Guthaben mit einem Abschlag von 20 bis 30 Prozent, und gibt im Gegenzug das Verhandlungsrecht und die Aussicht auf die volle Rückzahlung ab.
Laut der Zeitung «Sonntag» seien die Verhandlungen hinter den Kulissen so weit gediehen, dass man sich auf neue Kreditverträge geeinigt und sich die Situation entspannt habe – bestätigt hat das aber niemand.
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