www.w-und-o.ch: Werdenberger & Obertoggenburger
09.03.2010- Lokalnachrichten

Berührende Reise vom «Tag des Zornes» zum ewigen Licht

Die Aufführung des Requiems von Mozart und der Bach-Kantate «Bleib bei uns, denn es will Abend werden» durch den Kleinen Sarganserchor wurde am Sonntag in Buchs zu einem eindrücklichen und berührenden Erlebnis.

Von Hans Hidber
Buchs. – Wie verträgt sich eine Bach-Kantate mit dem Requiem von Mozart im gleichen Konzertprogramm? In seiner gewohnt hochstehenden Interpretation unter der Leitung von Josef Rüegg hat der Kleine Sarganserchor mit Solisten und Orchester in der katholischen Kirche in Buchs zwei Werke aufgeführt, die trotz verschiedenem Kompositionsstil nicht nur in der Polyphonie Gemeinsamkeiten aufweisen, sondern auch inhaltlich gut miteinander harmonieren.
In der Reihenfolge machte es Sinn, dass die Bach-Kantate «Bleib bei uns, denn es will Abend werden» sozusagen als Hors d’œuvre den Vortritt hatte. Denn vom Inhalt her kann man sie im übertragenen Sinn auf den Abend des Lebens beziehen, während das Requiem – die Totenmesse – fällig wird, wenn dann die Nacht hereingebrochen ist.
«Der Tag hat sich geneiget»
Im ruhigen, fast pastoral anmutenden  Fluss und ausgewogener Balance mit dem Orchester nahm die Kantate mit dem Gesamtchor ihren Anfang.
Schon bald zeigte sich eines der Markenzeichen von Josef Rüeggs Einstudierungen: die sorgfältige Sprechdisziplin, die jedes Wort bis in die
hinteren Ränge verständlich macht. Überhaupt wird bei den Aufführungen dieses Chors auf die richtige Umsetzung des Textes in Betonung und Dynamik grosser Wert gelegt – was auch im nachfolgenden Requiem eindrücklich zur Geltung kam.
Passende Überleitung
Nach dem chorischen Einstieg kamen in Arie, Choral und Rezitativ nacheinander drei Solisten zum Einsatz: Cornelius Glaus, Altus; Karin Kurath, Sopran, und Alfred Kesseli, Bass. Das bewährte Solistenquartett wurde später im Requiem durch den Tenor Hans Willi komplett. Im Schlusschor wurden die eindrücklichen Bitten der Solisten um das göttliche Licht zur Vertreibung von Dunkelheit und Finsternis nochmals kraftvoll aufgenommen. Eine Überleitung zum Requiem, wie sie passender kaum sein könnte.
Wechselndes Stimmungsbild
Kaum ein Werk Mozarts weist eine derartige Bandbreite an Emotionen auf wie das Requiem, das der grosse Meister nicht mehr selber vollenden konnte und zu seinem eigenen Totengesang wurde. Trauer, Furcht, Schrecken und Verzweiflung münden am Schluss in Trost und gläubige Zuversicht. Es widerspiegelt in der langen Sequenz «Dies irae – Tag des Zornes» die dramatisch-schrecklichen Vorstellungen der damaligen Zeit über das Jüngste Gericht.
Feierlich glanzvoll mit Pauken und Trompeten der Lobpreis im «Sanctus» und «Benedictus» – wo allerdings zwischendurch nochmals die Posaunen an das Weltengericht zu erinnern scheinen.
Ein letztes dramatisches Aufbäumen im «Agnus Dei», das mit der leisen, aber eindringlichen Bitte endet, ihnen – den Toten – die ewige Ruhe zu schenken. In der abschliessenden «Communio» nochmals die gleiche kraftvolle Fuge wie beim Eingangs-Erbarmungsruf des «Kyrie», diesmal jedoch schon voller Zuversicht auf das ewige Licht mit den drei letzten Worten: «Quia pius es – denn du bist gütig!»
Ein berührendes Erlebnis
Einmal mehr hat der Kleine Sarganserchor in seiner bereits 36-jährigen Geschichte unter der Leitung von Josef Rüegg zusammen mit den Solisten und dem Orchester ad hoc mit Konzertmeister Martin Keller nicht nur  musikalisch und gesanglich hochstehende, sondern auch berührende Kirchenmusik geboten, was sich denn auch im lang anhaltenden Schlussapplaus der etwa 450 Konzertbesucher  niederschlug.
Die zweite Aufführung findet am kommenden Sonntag, 14. März, um 17 Uhr in der Klosterkirche Pfäfers statt.
zurück
WETTER
Do
12° | 18°
Fr
9° | 15°
Sa
8° | 17°
So
8° | 19°
Mo
12° | 15°