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08.02.2010- Aktuell

Die richtige Balance finden auf der Seelen-Achterbahn

Eltern sollen Machtkämpfe mit pubertierenden Kindern vermeiden. Besser ist auf Regeln und fairen Streit zu setzen. Dafür hat Professorin Maya Hofer bei einem Anlass der Elternvereinigung an der Kantonsschule geworben.

Von Reinhold Meier

Sargans. – Die Ausgangslage ist klar: Eltern wollen Frieden und anständige Kinder. Der 14- bis 17-jährige Nachwuchs hingegen muss seine Geschlechtsrolle finden und ein eigenes Verhaltenssystem entwickeln. Kein Kinderspiel, gehört dazu doch die emotionale Ablösung von zu Hause, das Akzeptieren des Körpers und die Gestaltung eigener Ideale mit einem tragfähigen Selbstkonzept. Kurz, es geht um nicht weniger als die eigene Identität: Eine «Achterbahnfahrt der Seele», wie Hofer bildlich zuspitzte. «Wer bin ich?», laute denn auch die zentrale Frage, legte sie vor gut 100 Interessierten dar.

Spielraum und Grenzen
Dabei seien Konflikte programmiert. Denn für Jugendliche könnten Selbstwertzweifel ebenso Hand in Hand mit Selbstüberschätzungen gehen, wie das Gefühl der Entfremdung mit Sinnkrisen. Die Bereitschaft zu Grenzüberschreitungen und unangepasstem Verhalten könne markant ansteigen. Aggression, Essstörungen und Suchtverhalten seien mögliche negative Folgen.

Eltern empfahl sie, wegen den Auseinandersetzungen nicht zu verzweifeln oder zu resignieren. Es sei viel gewonnen, sich der Auseinandersetzung zu stellen, statt ihr auszuweichen. «Nehmen Sie es als Chance, mit dem Kind zu wachsen», ermunterte Hofer. Es komme darauf an, sich selbst weiterzuentwickeln und mit dem Jugendlichen streiten zu lernen. Wie das geht? Darauf gibt es nur eine Antwort: «Üben, üben, üben!»

Jugendliche brauchten Lob, Rückhalt und Vertrauen, auch wenn sie das nicht immer zeigten. Darum solle man mit dem Alter die Regelzahl reduzieren und auf die eigene Erziehung vertrauen. Hilfreich sei, das Verhalten der Jugendlichen in drei Klassen einzuordnen: Türenknallen und provozierendes Augenspiel gehöre etwa in die erste Kategorie pubertärer Nebenerscheinungen, das zu ertragen sei, warb Hofer. Anders bei Verspätungen und Pflichtverletzungen: «Hier sind Konsequenzen auszuhandeln und einzufordern».

Keinen Spielraum hingegen sähe sie bei Drogen oder Schule schwänzen: «Das ist nicht verhandelbar.» Gut beraten sei zudem, wer gelassen reagieren, nicht emotional ausraste und seine Rolle als Berater und Begleiter akzeptiere.

Eltern engagieren sich
Zum Auftakt des Abends hatte der Kinderchor Mauren unter Leitung von Patricia Lingg und Harri Bläsi zwei Lieder aus dem Josephs-Musical vorgetragen – dies als Vorgeschmack auf den gemeinsamen Musical-Auftritt mit dem Kantichor am ersten und zweiten Maiwochenende. Zudem hatte Prorekor Hans Conrad mit Bildern an Höhepunkte des vergangenen Schuljahres erinnert.

Hans Burger, Präsident der Elternvereinigung, führte alsdann durch die Hauptversammlung. Er hob insbesondere das «Feel-better-Team» hervor, dessen Engagement die Elternvereinigung (EV) mit dem Anerkennungspreis gewürdigt habe. Weiter habe die EV die Schülerzeitung Gazetta und die Aufgabenhilfe in Mathematik und Physik gefördert, dazu kulturelle Anlässe wie Operette, Theater und Tanzkurs. Insgesamt schlugen so Ausgaben von knapp 9000 Franken zu Buche.

Dankesworte richtete Burger an Aktuar Johannes Frigg, der den achtköpfigen Vorstand verlässt. Die Versammlung wählte Annette Longo aus Grabs zur Nachfolgerin. Ein rege genutzter Apéro schuf sodann Gelegenheit zum geselligen Meinungsaustausch. Der besagte Vortrag über Risiken und Chancen der Pubertät wird auf die Homepage der EV gestellt: www.ev.kantisargans.ch.
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