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09.05.2008-
Lokalnachrichten
Zu wenig muntere Fischlein
Die Fische finden im Alpenrhein keinen optimalen Lebensraum vor. Eine Studie bestätigt den Rückgang der Fischarten und das geringe Fischaufkommen. Zur Verbesserung der Situation besteht dringender Handlungsbedarf.
Von Günther Meier
Region. – Früher war die Welt noch in Ordnung. Rund 30 verschiedene Fischarten tummelten sich nach Überlieferungen im Alpenrhein. Gegenwärtig werden noch 19 Arten mit teilweise sehr geringen Beständen vermutet, doch bei einer gross angelegten Fischbestandesaufnahme im Jahre 2005 konnten nur 11 Fischarten festgestellt werden.
«Grosser Handlungsbedarf» Eine aufgrund dieser Erhebung erstellte Fischereistudie, die am Mittwoch in Liechtenstein vorgestellt wurde, gelangt zur Schlussfolgerung, der Alpenrhein weise im Vergleich mit anderen Flüssen einen «schlechten fischökologischen Zustand» auf. Nach dieser erstmals in dieser umfassenden Form durchgeführten Bestandesaufnahme lautet das bedrückende Ergebnis: «Die festgestellten Defizite dokumentieren anschaulich den grossen gewässer- und fischökologischen Handlungsbedarf.» Der Lebensraum für die Fische ist durch den Abflussschwall der Kraftwerke, die monotone Regulierung des Flusslaufes und die teilweise Abtrennung der Zuflüsse beeinträchtigt worden. Als Reproduktionsraum komme der Alpenrhein in den untersuchten Streckenabschnitten zwischen Reichenau und Bodensee für viele Fischarten praktisch nicht mehr in Frage. Die geringen Fangzahlen bestätigen die Ergebnisse der Untersuchung, die erstmals flächendeckend einen Überblick über den Fischbestand gibt.
Unterhalb von Buchs ist es besser Die Vernetzung mit dem Bodensee wirkt sich im Unterlauf des Alpenrheins, flussabwärts unterhalb der Buchser Schwelle, sowohl in einem Anstieg der Artenzahl als auch durch einen hohen Anteil an Seeforellen aus. Im Gegensatz dazu fanden die Forscher im Oberlauf in Graubünden einen deutlich geringeren Fischbestand vor als bisher angenommen. Auch in den Mastrilser Auen liege der Fischbestand deutlich unter den Erwartungen. Obwohl in diesem Raum eine höhere Dichte an Fischarten registriert wurde, liegt der Fischbestand unter den bisherigen Schätzungen. Die Studie äussert die Vermutung, dass sich auch hier der Schwalleinfluss bemerkbar mache und ausserdem der insgesamt geringere Fischbestand im Alpenrhein wirksam werde.
Geringe Bestände Die Fischbestände im Alpenrhein, dem «grössten Wildbach Mitteleuropas», liegen im Vergleich niedriger als das Fischvorkommen in ähnlichen Flüssen. Während im Alpenrhein höchstens mit 12 Kilogramm Fisch pro Hektar gerechnet werden kann, erwarten die Fischer im Oberlauf der Drau knapp 30 Kilo und im Unterlauf immer noch fast 20 Kilo. In der mittleren Salzach, die wie Alpenrhein und Drau ebenfalls reguliert und schwallbeeinflusst ist, erreicht der Fischbestand pro Hektar über 40 Kilogramm. Interessant an der im Jahre 2005 durchgeführten Fischerhebung ist, dass sich die Resultate mit den fischökologischen Untersuchungen im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung für die geplanten Rheinkraftwerke entlang der schweizerisch-liechtensteinischen Grenze aus dem Jahre 1990 decken. Aus den Fangdaten ist ersichtlich, dass Bachforelle, Regenbogenforelle und Seeforelle im gesamten Alpenrhein über 90 Prozent des Fischbestandes ausmachen, während die übrigen Fischarten nur sehr bescheidene Vorkommen aufweisen.
Rampen als «Migrationsbremse» Die Studie kommt beim Vergleich der Erhebung mit den üblichen Fangstatistiken zur Schlussfolgerung, dass die Hauptfischarten noch fast im gesamten Alpenrhein vorkommen. Der Grund dafür sei die intakte Vernetzung mit dem Bodensee und die durchgehende Fliessstrecke. Die Defizite im oberen Flussabschnitt würden sich vor allem durch die Rampen bei Buchs und beim Ellhorn ergeben, die als «Migrationshindernis oder zumindest als Migrationsbremse» eingestuft werden. Im Unterlauf steige die Artenvielfalt durch die Verbindung zum Bodensee, doch das Fehlen von Stillwasserbereichen wirke sich negativ auf die Stillwasser liebenden Fischarten aus.
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